Reniers Geschichte beginnt nicht in einer Fabrik, sondern bei einem Steinmetz, einer Restaurierung der Liebfrauenkirche in Aarschot und einer unerwarteten Liebe.
François Renier wurde in Gilly, in der Nähe von Charleroi, als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Als die Familie ihr Land an die expandierende Industrie verlor, musste François sich nach einer anderen Arbeit umsehen. Er wurde Steinmetz im Steinbruch von Gobertange bei Jodoigne.
In diesem Steinbruch wurde und wird auch heute noch Gobertangestein abgebaut: ein Kalksandstein, der unter anderem für das Rathaus von Leuven und die Liebfrauenkirche von Aarschot verwendet wurde.
Um 1910 wurde François vom Steinbruch nach Aarschot geschickt, um die der Liebfrauenkirche entsandt. Er kam mit einer Karrenladung Gobertange-Steinblöcke an, nahm die Maße der zu ersetzenden Steine, schnitt sie auf Maß zu und setzte sie wieder in das Kirchengebäude ein.
Es war unmöglich, jeden Abend nach Hause zurückzukehren. Die Entfernung war zu groß, die Reise zu teuer und zu zeitaufwendig. François übernachtete daher in einem Gasthaus in Aarschot.
In diesem Gasthaus wohnten drei Töchter. François verliebte sich in eine von ihnen. Tagsüber behielt er stolz seine Steine, abends war er bei seiner Geliebten.
Im Laufe von Kriegen, Wiederaufbau, Innovationen und strategischen Entscheidungen entwickelte sich Renier zu einem Familienunternehmen mit eigenen Steinbrüchen und einer modernen Produktion in Aarschot.
Als das Geld für die Restaurierung aufgebraucht war, musste François nach Gobertange zurückkehren. Er bat seine Geliebte, mit ihm umzuziehen, doch ihr Vater brauchte seine Tochter im Gasthaus. Der Gastwirt schlug ihm eine Alternative vor: sich in Aarschot als selbstständiger Steinmetz niederzulassen.
François lieh sich Geld und machte sich als selbstständiger Steinmetz selbstständig. Das war der eigentliche Beginn der Renier-Geschichte in Aarschot.
1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Aarschot wurde zu einer Stadt der Märtyrer. François überlebte und floh mit seiner schwangeren Frau und ihrem einjährigen Kind nach England.
Im November 1914 wurde Albert Renier in Chesterfield geboren. Während des Krieges arbeitete François als Bergmann und Pflasterer.
Nach dem Krieg kehrte die Familie nach Aarschot zurück. Die Stadt war schwer beschädigt und musste wieder aufgebaut werden. Für einen Steinmetz gab es wieder viel zu tun.
Anfang der 1930er Jahre trat Albert Renier in das Familienunternehmen ein. Später brach der Zweite Weltkrieg aus. Aarschot wurde durch Bombenangriffe auf den Bahnhof getroffen, doch die Familie blieb in Aarschot. Nach dem Krieg folgte erneut eine Phase des Wiederaufbaus.
Anfang der 1950er Jahre lieferte Albert Schwellen an einen deutschen Soldatenfriedhof. Dort mussten Tausende Grabsteine von Hand graviert werden, was viel zu langsam voranging.
Albert wusste, dass es in Italien Pantographen gab, mit denen man Namen schneller gravieren konnte. Er reiste mit einem Stahlstein nach Italien, ließ einen Namen gravieren und präsentierte das Ergebnis. Der Kunde war zufrieden.
Anschließend überzeugte er den Lieferanten, innerhalb eines Monats fünf Maschinen statt nur einer zu bauen. Das Projekt wurde pünktlich fertiggestellt, und zwar zu einem Bruchteil der ursprünglichen Kosten. Es folgten weitere Friedhöfe, und das Unternehmen wuchs stetig.
Ende der 1950er Jahre investierte Renier in eine Maschine, mit der Natursteinblöcke in Platten zersägt werden konnten: eine Rahmensäge. Diese Investition veränderte das Unternehmen grundlegend.
Von da an wurden keine Platten mehr gekauft, sondern Blöcke. Renier erhielt mehr Kontrolle über Qualität, Lagerbestand und Verarbeitung.
Anfang der 1960er Jahre platzte das Unternehmen aus allen Nähten. Die Produktion wurde in das Gewerbegebiet von Aarschot verlegt, wo Renier auch heute noch ansässig ist.
Es folgten mehrere Rahmensägen und Maschinen. Die Holzblöcke wurden in Belgien gekauft und unter anderem aus Frankreich, Portugal, Griechenland und der Türkei importiert.
1974 stieg François Renier, der Sohn von Albert, als Vertreter der dritten Generation in das Unternehmen ein. Gemeinsam mit Albert baute er das moderne Natursteinunternehmen weiter aus.
Ende der 1970er Jahre wurden in Europa immer mehr Steinbrüche von größeren Konzernen aufgekauft. Albert und François befürchteten, dass die Beschaffung von Blöcken schwieriger und teurer werden würde.
Deshalb trafen sie eine strategische Entscheidung: Sie kauften selbst einen Steinbruch. Ihre Wahl fiel auf den Steinbruch La Préalle in Sprimont, wo Renier bereits Blöcke aus belgischem Blaustein gekauft hatte.
La Préalle war damals einer der kleinsten Steinbrüche Belgiens. Heute zählt er zu den bedeutendsten Steinbrüchen für belgischen Blauen Hartstein.
Renier investierte über die Jahrzehnte hinweg kontinuierlich in die neuesten technologischen Entwicklungen: CNC-Maschinen, Wasserstrahlschneiden, digitale Sägeverfahren und Automatisierung.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stiegen Evelien und Stijn Renier als Vertreter der vierten Generation in das Unternehmen ein. Sie setzten diesen Weg mit digitalen Sägelinien, Robotik und Industrie 4.0 fort.
Im Jahr 2014 investierte Renier in einen zweiten Steinbruch: den Steinbruch von Vinalmont. Dort wird Maaskalk abgebaut, ein charakteristischer belgischer Kalkstein, der das Angebot von Renier weiter stärkt.
Der Kauf von La Préalle war eine der wichtigsten Entscheidungen in der Geschichte von Renier. Durch eigene Investitionen in belgische Steinbrüche blieb das Unternehmen unabhängig und konnte die Qualität vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt weiterhin sicherstellen.
Auch heute noch ist diese kurze Lieferkette ein wesentlicher Bestandteil unserer Identität: Belgischer Naturstein aus eigenen Steinbrüchen, der in unserer eigenen Produktion verarbeitet wird.
Heute verbindet Renier das Know-how von vier Generationen mit moderner Technologie, nachhaltigen Investitionen und einem starken Fokus auf Qualität und Service.
Heute steht Renier unter der Leitung von Frank Oosterlinck, der erste nicht aus der Familie stammende Chief Executive Officer (CEO) in der Unternehmensgeschichte.
Zusammen mit Stijn Renier, verantwortlich für Sonderprojekte, und Evelien Renier, Als Verantwortlicher für die Produktion bildet er Teil eines sich ergänzenden Führungsteams, das die reiche Familientradition weiter ausbaut.
Dank der Kombination aus mehr als einem Jahrhundert handwerklicher Tradition, dem Engagement der vierten Generation und einer professionellen Unternehmensführung investiert Renier weiterhin in Innovation, Nachhaltigkeit und eine kundenorientierte Zukunft.
Das Grundprinzip bleibt dasselbe: Naturstein verstehen, richtig verarbeiten und sorgfältig veredeln.
Digitale Schnittlinien, CNC, Robotik und Automatisierung stärken das Handwerk.
Eigene Steinbrüche, kurze Lieferketten, Solarmodule, Wasserwiederverwendung und Kreislaufwirtschaft für Restströme.
Von François Renier bis zur vierten Generation: Unsere Geschichte basiert auf handwerklichem Können, Unternehmergeist und Respekt vor belgischem Naturstein.